HERBSTTANZ
er ging wie immer durch die gassen einer stadt, die nicht mehr als beton und stahl zu bieten hatte. bedauerlicherweise waren die bewohner der stadt ebenso kühl und leer, wie die strasse, die sich jetzt vor ihm erstreckte. er suchte etwas abwechslung indem er nie zweimal denselben weg nahm, wenn er durch die stadt ging. am liebsten etwas abseits der immerwährenden hecktik im herzen der stadt. es stimmte ihn ihn nachdenklich, wie die stadt jeden einverleibte in ihre tristresse und monotonie.
er war gerade auf dem heimweg von einem der sogenannten freunde, mit denen man sich abgibt um wenigstens über sport und autos reden zu können.
nichts veränderte sich hier wirklich, ausser dem wetter und den jahreszeiten, obwohl auch diese sich blos in einem anstieg oder abfall der temperaturen bemerkbar machen. der kühle wind, der durch die strassen wehte, kündete vom herbst, den er sonst so farbenprächtig in erinnerung hatte. doch in dieser stadt konnte man nur mit viel glück etwas farbe zu gesicht bekommen.
so in gedanken versunken schlenderte er abends durch die gassen und schreckte fast aus seinen gedanken hoch, als er etwas sah, das er im ersten moment nicht verstand. es war feuerrot und von einem windstoss aus einer seitengasse geweht worden. er sah sich um und sah im näherkommen, dass es ein herbstliches ahornblatt war. er fühlte sich an seine kindheit erinnert, wie er mit seinen freunden im laub gespielt hatte. er wandte sich zur gasse hin, ging einen schritt hinein und wunderte sich, woher das blatt wohl gekommen war. er sah wie der wind weitere blätter mit sich brachte, welche ihn kurz umspielten und auf die strasse sanken.
neugierde packte ihn und er ging weiter die schmale gasse entlang, welche sich um ein paar ecken wand. immer mehr blätter wehten ihm entgegen und er folgte still ihrem ruf.
das gässchen führte ihn zu einem kleinen platz und was er sah, liess seinen atem stocken. der platz war mit flammend roten ahornbäumen gesäumt und scheinbar zufällig hatte sich die sonne entschieden ihr abendlich, goldenes licht auf den platz zu werfen. es schien, als stünde der platz in warmen feuer, das jeden ergreift, der bloss einen blick darauf geworfen hat. ein richtungsloser wind bliess die blätter von den bäumen und liess den ganzen platz in einer roten blätterwolke stehen.
erst traute er seinen augen nicht, so surreal das ganze schien, doch langsam tropfte die farbe in seine graue weltsicht und er fühlte wie in ihm etwas verloren geglaubtes wieder erwachte. die kindliche freude am leben selbst kribbelte in seinen fingerspitzen und die schmale flamme sehnsucht fand wieder nahrung und wuchs über ihn hinaus. er lachte, ohne dass er etwas dagegen hätte tun können.
als er so dastand und in die farbenpracht lachte fiel ihm auf, dass er scheinbar nicht der einzige war, der sich hierher verirrt hatte... eine schmale shiluette schien inmitten dieser fiktion zu tanzen. grazil und anmutig nach dem rythums einer musik ohne töne.
"da tanzt der herbst in all seiner pracht" schoss es ihm durch den kopf... er ging langsam auf sie zu, beschwingt und neugierig. angesteckt durch ihr wiegen und drehen. sie hielt ein und sah ihm entgegen. lächelte und streckte ihre hände nach ihm aus. sie trug ein feuerrotes kleid. bauschend, doch enganliegend. ein anblick, der ihn alles andere vergessen liess. er blickte sie herrausfordernd an, ergriff ihre hände und zog sie an sich heran. erst wollte er führen, doch bemerkte schnell, dass sie zu dominant war, um sich führen zu lassen. so war es ein hin und her, ein anmutiges kräftemessen. sie tanzen zum wind und zur musik des herbstes. eng umschlungen und von einander gelöst. er hatte sich noch nie so frei gefühlt.
je stärker der wind blies, umso schneller tanzten sie. auch wenn er stand, drehte sich alles um ihn. er war ganz im banne des herbstes, in dem er da tanzte, mit dem er da tanzte.
am stillen höhepunkt des tanzes, schloss er die augen und atmete tief durch. er war erschöpft, doch immernoch erfüllt mit dieser kindlichen freude und dem rausch des tanzes.
er spührte, dass der wind nachliess und öffnete die augen. vor ihm erstreckte sich der platz kahl und leer. der wind hatte alles laub von den bäumen gerissen und fortgetragen. es schien als hätte er auch sämtliche farben weggespühlt. die zauberhafte tänzerin war ebenfalls verschwunden, so gerne er doch mit ihr noch über das eben erlebte gesprochen hätte...
hastig sah er sich um suchte noch nach der roten silhuette, ob sie nicht in einer gasse lief, doch entdeckte er niemanden.
er seufzte und wand sich um, um seinen begonnen weg nach hause fortzusetzen. alles glück scheint bloss wie als fata morgana zu locken, bis der suchende verdurstet. als er wieder an der strasse stand, entdeckte er das blatt, welches ihn zuvor in die gasse gelockt hatte. er hob es auf, betrachtete es und legte es in das buch, das er immer mit sich trug. es stimmt nicht ganz, etwas glück ist ihm geblieben. das glück der erinnerung.
irgendwie hatte es ihm die augen geöffnet, wonach er sich ständig sehnte. es war freiheit. die freiheit, zu tun und zu lassen was man will.














Comments
wunderschön und doch ... tragisch.
mehr kann man dazu nicht sagen.
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Personally it's not God I dislike, it's his fan club I can't stand -
this is not a link to my gallery, I'm sure you'll find it yourself.
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Das Leben ist eine Krankheit, die Welt das Krankenhaus
und der Tod der Doktor.
vielen dank.
ist auf gewisse art einer der persönlicheren, aber auch schon älteren, daher hab ich ihn hochgeladen.
trapped emotions ...waiting to be set free...
you try once ..you try twice...and yet u gain nothing...fall down but bounce back and now you are truly free...u stand alone cause u are the second me...
the perspective of this shot shows dispare but the tip of the tree shows hope...and a further look ,reaches into the sky,gasping for air and new dreams...
Excellent !
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sorry to disappoint you...
i wish you could understand the text, so you could see, that your interpretations would match to it.
ja, ich beobachte und beschreibe gerne. aber als ich diesen hier geschrieben habe, hab ich mit dem ersten satz begonnen und ohne viel zu denken beim letzten wieder aufgehört gehabt. ^^
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